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Das grosse Missverständnis über die Selbstliebe

Aktualisiert: 17. Nov. 2023



Hurt people hurt people


Max hatte eine schwierige Kindheit. Max’ Vater brachte ihm nach alter Tradition bei, dass ein Indianer keinen Schmerz fühlt und ein Mann nicht weint. Weil er sich das selbst nicht zugestehen konnte und weil er es selbst nicht anders von seinem Vater kannte. Max’ Mutter fügt sich in ihre Rolle als Mutter – obwohl sie eigentlich ganz andere Pläne gehabt hätte für ihr Leben. Max’ Mutter verachtet ihren Mann. Eigentlich verachtet sie alle Männer. Denn sie waren es, die es ihr verunmöglicht hatten, etwas anderes zu werden als Mutter und Hausfrau.


Max kämpft als Kind um die Anerkennung und Liebe seiner Mutter. Aber er wird von ihr immer und immer wieder zurückgewiesen. Sie ist so streng mit ihm, wie sein Vater mit sich selbst. Der Kreis schliesst sich. Verachtung ist der Grundtenor der Familie.


Heute ist Max erwachsen und Manager. Aber in der Tiefe seiner Psyche ist er immer noch der verletzte Junge von damals, der traumatisiert von der Lieblosigkeit seiner Eltern bis heute um die Anerkennung und Liebe seiner Eltern, aber vor allem seiner Mutter kämpft. Aber Max hat gelernt, dass Gefühle schlecht sind für einen Mann. Also schliesst er sie sorgfältig ein und verbannt sie in die hintersten Ecke seines Seins.


Max’ Ego derweilen entwickelt eine Überlebensstrategie, um nicht mehr verletzlich zu sein. Es bläst sich auf und wird immer grösser und grösser. Sein Ego kompensiert das Nicht-Gesehen-Werden des kleinen Jungen mit toxischen, narzisstischen Verhaltensweisen und dem krankhaften Zwang, immer Recht haben zu müssen. Max’ Ego verschafft sich heute Gehör, indem Max unfähig ist, jemandem anderen zuzuhören, sondern nur darauf wartet, seine Position und Standpunkt einzunehmen.


Max’ Ego entwickelt gar den Hang zum Psychopathen: Unfähig, Empathie zu empfinden oder zu zeigen. Unfähig, sich in andere hineinzuversetzen oder die Welt aus einer anderen Perspektive als seiner selbst zu betrachten. Und unfähig, sein eigenes Verhalten und Handlungen zu reflektieren. Und so Max ist im ständigen Fight-Flight-Modus.


Max’ Ego ist nun so gross, dass es nicht nur meint Max’ Gefühle kontrollieren zu müssen, sondern sein ganzes Leben und seine gesamte Umwelt. Kontrollverlust wäre sein Tod.


Und so wird Max zum klassischen Mikro-Manager, der niemandem vertraut, weil er der Überzeugung ist, dass nur er weiss, wie die Welt funktioniert und nur er derjenige ist, der weiss, wie man es richtig macht. In seiner Welt gilt nur noch seine eigene Meinung. Kompromisse sind für Max Niederlagen. Kooperation und Teamarbeit sieht er als völlig überflüssig, denn alles, was die Mitarbeiter aus seiner Sicht brauchen, ist straffe Führung und Kontrolle.


Seine tiefe Unsicherheit überspielt er mit übertriebener Selbstsicherheit, die an Arroganz grenzt, die aber genau so schnell in sich zusammenfällt wie ein Luftballon, den man mit einer Nadel sticht. Wird Max kritisiert oder erhält er Feedback, so springt sofort sein Kindheitstrauma wieder an, dass er nicht gut genug und liebenswert ist. Weder für den Vater noch die Mutter. Das will sein Ego aber nicht fühlen, also geht es in Kampfstellung und schiesst wahllos auf sein Gegenüber.


So wird Max also über die Jahre zu einem gefühllosen, sozial inkompetenten und emotional nicht entwickelten Mutanten seiner Selbst. Die Verdrängungsstrategien seines Egos haben ihn zu einem Menschen werden lassen, der für seine Umwelt nur sehr schwer verdaulich ist. Und somit kommt ihm entsprechend wenig Sympathie oder gar Liebe entgegen.


Max versteht das alles nicht und entwickelt gleichzeitig eine Opferhaltung, weil alle gegen ihn zu sein scheinen. Aber er weigert sich, Verantwortung zu übernehmen über sein eigenes Verhalten und seine eigenen Handlungen. Denn wenn er das machen würde, müsste er sich selbst reflektieren, was aber für sein Ego wiederum zu schmerzhaft wäre. Also bläst er sein Ego noch ein bisschen mehr auf, um sich zu schützen und dieser feindlichen Welt standhalten zu können. Der Kreis ist geschlossen.


Denn so sehr sich Max insgeheim nach Liebe sehnt, so unfähig ist er unterdessen, sich anderen gegenüber, insbesondere aber Frauen gegenüber, liebevoll oder einfach nur freundlich zu verhalten. Die gefühlte Ablehnung durch seine Mutter sitzt tief. Und so entwickelt auch Max hier wiederum eine Coping-Strategie, indem er beschliesst, dass alle Frauen Bitches sind. Seine dadurch entstandene herablassende und herabwürdigende Verhaltensweise Frauen gegenüber triggert wiederum bei Frauen, dass sie sich ihm gegenüber tatsächlich auch so verhalten. Und auch hier schliesst sich also der Kreis.


Ich könnte jetzt noch unzählig weitere Beispiele anbringen, aber ich denke, die bisherigen sind anschaulich genug.


Max’ Leben hätte auch ganz anders verlaufen können, wenn er achtsamer und vor allem bewusster mit sich selbst auseinandergesetzt hätte. Wenn er angefangen hätte, seine Schatten, Wunden und Traumata sich wirklich in der Tiefe anzuschauen und zu integrieren. Dann hätte er eine echte Chance gehabt, mit seinem wahren Ich, seiner Seelenessenz in Kontakt zu kommen. Wenn er verstanden hätte, dass er sich selbst in den Gedankenkonstrukten seines eigenen Egos gefangen hält. Max hat sich aber entschieden, die leise Stimme seiner Seele zu ignorieren und an dem festzuhalten, was er als Vorbild aus seiner Kindheit mitgenommen hat. So ist Max auch heute noch der kleine Junge, der eigentlich nur um die Anerkennung seiner Mutter bettelt.


Long story short


Selbstliebe und Selbstfürsorge bedeuten nicht (nur), jeden Tag ins Spa zu gehen, Salzbäder zu nehmen und sich massieren zu lassen 😉 Selbstfürsorge bedeutet, auf deinen Körper zu hören, präsent zu sein und dich um deine geistige, körperliche und emotionale Gesundheit zu kümmern.


Selbstfürsorge bedeutet auch, sich seinen eigenen Schatten zu stellen, sich zu reflektieren und seine Selbst-Sabotage-Programme zu erkennen. Auch wenn es unbequem ist und schmerzt. Und ja, der Schmerz sitzt tief und es ist nicht sexy, diesem Schmerz in die Augen zu sehen. Selbstliebe hilft dir, diesen Schmerz wie auch deine Schattenanteile zu integrieren, indem du ihnen den Raum gibst, den sie vorerst fordern, um von dir wahrgenommen zu werden. Werden sie immer wieder in den Keller verdrängt, werden sie entsprechend sich immer lautstarker melden, um die Aufmerksamkeit zu bekommen, die ihnen zusteht.


Wir sind Licht und Schatten. Das Licht macht die Schatten sichtbar. Je mehr Licht auf die Schatten fällt, desto kleiner werden diese. Die bedingungslose Annahme deiner Selbst und die Akzeptanz, dass du nicht perfekt sein musst, sind die Grundlagen für echte Selbstliebe. Denn nur so kannst du bewusst und achtsam mit den Triggern deines Egos umgehen.


Wir haben die Wahl, ob wir einfach die Programmierung unserer Ahnen übernehmen wollen oder ob wir uns dazu entscheiden, den Zyklus zu durchbrechen und uns unseren Ego-Strukturen zu stellen – egal wie hart das dies auf den ersten Blick erscheint. Was auf der anderen Seite wartet, ist innerer Frieden, Vertrauen in dich selbst und das Universum und vor allem aber ein Leben, das nicht auf einem ewigen Kampf basiert, sondern auf Liebe, Selbstbestimmtheit und Freiheit. Liebe zu dir selbst und deiner Umwelt, frei von den Fesseln der Selbst-Sabotage-Programme deines Egos, die dich immer wieder auf die falsche Fährte locken wollen.


Dadurch gewinnst du auch völlige neue Lebensenergie, weil dein System nicht mehr Energie verbraucht für den ewigen Kampf gegen deine sogenannte Verletzlichkeit und vor allem gegen andere. Feinde werden plötzlich zu Freunden, weil du verstehst, dass sie dir nur das widerspiegeln, was du in die Welt hinaus sendest.


Wenn du dich also wirklich um dich selbst kümmerst und gut für dich sorgst, wirst du genug Energie haben, für andere der beste Freund, Partner, Kollege oder Elternteil zu sein. Wenn du voller positiver Energie bist und dich gut fühlst, kannst du mehr Gutes tun. Du erreichst mehr. Du bietest mehr Hilfe an – und hältst dabei deine Energie und deine Stimmung hoch.


Es wird eine Freude sein, mit dir zu arbeiten und mit dir zusammen zu sein. Du bist dir dessen vielleicht nicht bewusst - aber deine positive Schwingung wird die Menschen um dich herum dazu inspirieren, mehr zu lächeln und sich zu entspannen.


Für jene, die mich nun falsch verstehen wollen: Nein, es geht nicht darum, ein Leben im ewigen Regenbogen mit Einhörnern, Sternenstaub und Konfetti-Regen zu leben und eine toxische Fröhlichkeit zu faken, indem man sich einredet, dass immer alles gut und das Leben immer schön ist!


Es geht darum dich in deinen gesamten Facetten anzunehmen und anzuerkennen, dass du Schatten in dir trägst und dass diese ein Teil von dir sind. Es geht darum, dein inneres Kind zu heilen, damit du endlich erwachsen werden kannst. Es geht darum dich auch endlich aus den Fesseln deiner Eltern zu lösen und aufzuhören, um ihre Anerkennung zu betteln. Es geht darum zu verstehen, dass du wegen deiner «Verletzlichkeit» nicht sterben wirst, sondern dass sie der Schlüssel ist zu deiner wahren Essenz dessen, wer du wirklich bist. Und mit dieser Erkenntnis lassen sich auch schlechte Tage, schlimme Ereignisse oder Erfahrungen besser integrieren.


Wähle also weise und sei nicht wie Max.


Möchtest du deine Schattenanteile erkennen und integrieren? Möchtest du deine Selbst-Sabotage-Programme umprogrammieren? Möchtest du mit Hilfe der super-kraftvollen Quanten-Lichtarbeit deine Blockaden auflösen? Möchtest du dich selbst ermächtigen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen? Ich helfe dir gerne dabei! Hier findest du mein Angebot.





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2 Comments

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Guest
Oct 11, 2023
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Toller Text. Ich glaube es ist für die meisten sehr schwer mit dem Verstand zu erkennen und anzuerkennen dass es ein Problem gibt mit den Emotionen. Selbst wenn es ihnen dabei sehr schlecht geht. Aber um für sich handeln zu können braucht es diese Einsicht über den Verstand.

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Regina Voegelin
Regina Voegelin
Oct 11, 2023
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Vielen Dank für deinen Kommentar! Ja, ich bin da ganz bei dir: Es ist nicht leicht, sein eigenes Ego in seine Schranken zu weisen und sich den unangenehmen Gefühlen zu stellen. Zumeist muss der Schmerz so gross sein, dass wir gezwungen werden, diesen Schritt zu tun. Aber wenn man den ersten Schritt gemacht hat und dadurch erfahren hat, wie befreiend das ist, dann erkennt man schnell, dass man einen heilsamen Weg eingeschlagen hat 💖

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